25.08.2017
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100 Jahre ZWST

Das Leitbild der Organisation, die zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege gehört, ergibt sich aus dem hebräischen Begriff der „Zedaka“, dem sozial-religiösen Verständnis der Wohltätigkeit im Judentum.


In diesem Jahr begeht die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) ihr 100-jähriges Jubiläum. Dieses Jubiläum unterstreicht die lange Tradition jüdischer Wohlfahrtsarbeit in Deutschland, die ihre Wurzeln bereits im 17. Jahrhundert hat. Die Geschichte der jüdischen Wohlfahrtspflege ist vor allem im 20. Jahrhundert eine diskontinuierliche Geschichte, unter anderem geprägt durch Flüchtlingsströme vor und vor allem nach dem 2. Weltkrieg und daraus resultierende integrative Anforderungen an jüdische Organisationen. Trotz tiefer Einschnitte und Brüche gelang es der ZWST in den letzten 100 Jahren immer wieder, sich auf neue Einwanderungswellen einzustellen und sich nach dem Holocaust wieder komplett neu aufzustellen.

 

Aus dem Grußwort im Festsaal der jüdischen Gemeinde Frankfurt am 10.9.2017

BAGFW-Präsident Prälat Dr. Peter Neher:

„Die ZWST kann als einer der religiös geprägten Verbände auf eine lange Tradition gelebter jüdischer Solidarität und Wohlfahrt zurückblicken. Dies prägte auch den Aufbau der Freien Wohlfahrtspflege in der Weimarer Republik. Mit ihren Perspektiven und im Zusammenspiel mit den anderen Sozialverbänden konnte die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden die Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege in der Gesellschaft verankern und weiter entwickeln.“

Grußwort zum Download

Foto während der Grußworte, BAGFW-Präsident Prälat Dr. Peter Neher

Wer ist die ZWST?


Die ZWST ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Sie vertritt auf dem Gebiet der sozialen Wohlfahrt die jüdischen Landesverbände, die jüdischen Gemeinden und den jüdischen Frauenbund. Sie bildet den Zusammenschluss der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland und ist ihre Spitzenorganisation.

Leitbild "Zedaka"


Das verbandsspezifische Leitbild der ZWST ergibt sich aus dem hebräischen Begriff der „Zedaka“, dem sozial-religiösen Verständnis der Wohltätigkeit im Judentum. Die Aufgabe, Hilfeleistungen zu erbringen im Sinne einer ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit, ist im Judentum eine „Mizwa“ (hebr.), eine der wichtigsten religiösen Pflichten. Die organisierte jüdische Sozialarbeit steht auf der Basis einer religionsgesetzlich verankerten Wohltätigkeit.

 

Historie

Am 9. September 1917 wurde die ZWST unter dem damaligen Namen „Zentralwohlfahrtstelle der deutschen Juden“ in Berlin gegründet, um als Dachverband die vielfältigen sozialen Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen zu koordinieren.

Ab 1933 wurde mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten die jüdische Infrastruktur stetig und effektiv vernichtet. Unter dem Druck des Naziregimes entstand eine zentrale politische Instanz, die „Reichsvertretung der deutschen Juden“, der die ZWST mit allen ihr verbundenen Ausschüssen und Organisationen angeschlossen wurde.

1939 wurde diese Repräsentanz zwangsaufgelöst, die ZWST hatte aufgehört zu existieren. Die Zwangsvereinigung „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ trat an ihre Stelle mit einer Abteilung „Fürsorge“, 1943 wurde auch diese Organisation zerschlagen.

Im Jahr 1951 wurde die ZWST unter ihrem heutigen Namen „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“ wiedergegründet.


 

Zuwanderung 1990 verändert die jüdische Gemeinschaft





Die Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach dem Fall der Mauer 1989 brachte für die jüdische Gemeinschaft und damit auch für die ZWST tiefgreifende Veränderungen mit sich:
Die Mitgliederstruktur verdreifachte sich innerhalb kurzer Zeit, die absolute Mehrheit der Mitglieder jüdischer Gemeinden hat heute einen Migrationshintergrund. Die Zuwanderung bedeutete eine immense Bereicherung für die jüdische Gemeinschaft und die deutsche Gesellschaft, stellt bis heute aber auch hohe Anforderungen an eine integrative und interkulturelle Sozial- und Jugendarbeit in den jüdischen Gemeinden.

Eine stetige Erweiterung und Professionalisierung ihres sozialen Beratungs-, Betreuungs- und Fortbildungsangebotes ist daher ein zentrales Anliegen der ZWST.