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Abbildung zeigt das Logo des Bundesverbandes Gesundheits-IT


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Abbildung zeigt das Logo der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

Sozialraum Digital - Souveränität in der digitalen Welt

15. Juni 2018 in Berlin



Workshop:

Digitale Souveränität älter Menschen

 

Beteiligte Inputgeber/ Moderation

  • Carsten Große Starmann, Bertelsmann Stiftung
  • Dr. Michael Littger, Deutschland sicher im Netz (DsiN)
  • Nicola Röhricht, Servicestelle Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen bei der BAGSO
  • Joachim Schulte, Deutschland sicher im Netz (DsiN)
Foto zeigt die Veranstaltung „Sozialraum Digital – Souveränität in der digitalen Welt“

Ergebnisse

Das Thema „Digital im Alter“ rückte erstmalig der vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) am 30. Juni 2015 initiierte und am 31. Mai 2017 abgeschlossene "Runde Tisch Aktives Altern – Übergänge gestalten" in den Fokus des gesellschaftlichen Diskurses. Dessen Arbeitsgruppe „Bildung im und für das Alter“ betonte in diesem Kontext die Möglichkeiten, die die Weiterentwicklung digitaler Technik Menschen jeden Alters hinsichtlich gesellschaftlicher Teilhabe und selbstbestimmter Lebensführung eröffnet.

Daher gilt es, allen den Zugang zu digitalen Dienstleistungen und Angeboten zu ermöglichen. Zudem erfordert dies, (nicht nur ältere) Menschen dazu zu befähigen, digitale Technologien souverän und selbstbestimmt nutzen zu können. Das meint auch, dass sie damit einhergehende Chancen und Risiken möglichst selbst abwägen können. Voraussetzungen hierfür sind digitale Kompetenz und Sicherheit insbesondere im Internet.

Das Vertrauen älterer Menschen sowohl in digitale Dienste als auch in die notwendigen Infrastrukturen wird angesichts des immensen Anteils von über 50jährigen an den „Offlinern“ – 95% von 12 Millionen Menschen, die das Internet nicht nutzen – umso wichtiger: Solange ältere Menschen ängstlich und unsicher im Netz sind, werden sie sich nur sehr zurückhaltend gegenüber der zunehmenden Digitalisierung verhalten.

Vor dem Hintergrund des Projekts „Smart Country“ verwies Carsten Große Starmann (Bertelsmann Stiftung) darauf, dass die Schere zwischen Stadt und Land aufgrund heterogener demographischer und sozioökonomischer Entwicklungen immer weiter auseinandergeht. Infolgedessen stehen die in der Verfassung postulierten gleichwertigen Lebensverhältnisse auf dem Prüfstand, Prozesse des demographischen Wandels und der Digitalisierung können zu einer zunehmenden Spaltung innerhalb Deutschlands führen. Demgegenüber eröffnet die Digitalisierung neue Chancen, die Daseinsvorsorge flächendeckend für alle Bevölkerungsgruppen sicherzustellen. Sie bildet Wirtschaftskraft und Wertschöpfung auch in der Fläche aus und ermöglicht für alle gesellschaftlichen Gruppen und jedes Alter mehr Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.

Erkennbar ist bereits jetzt, dass dies in Deutschland nicht überall gleichermaßen gelingt. Es ist eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung, Teilhabe und Chancengerechtigkeit für alle Regionen und Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten. Ziel ist, Möglichkeiten zu identifizieren und Lösungen aufzuzeigen, die Menschen darin unterstützen, digitale Technologien kompetent zu nutzen sowie die Potenziale, Folgen und Implikationen dieser Nutzung zu verstehen und einzuschätzen.

Auf der Grundlage des Positionspapiers „Ältere Menschen in der digitalen Welt“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) skizzierte Nicola Röhricht (Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ bei der BAGSO) die Voraussetzungen, die digitale Souveränität erfordert.

Digitale Souveränität erfordert Zugang: Vor allem ältere Menschen können den immensen digitalen Wandlungsprozessen nicht adäquat folgen. Bürgerinnen und Bürgern sollte ein niedrigschwelliger, freier, kostenloser Zugang ermöglicht und gewährleistet werden.

Digitale Souveränität erfordert Teilhabe: Auf seinem Weg in und durch die digitale Welt muss der (ältere) Mensch begleitet werden. Die vielen Senioren-Internet-Clubs machen es vor.

Digitale Souveränität erfordert Sicherheit: Nicht Nutzerinnen und Nutzer müssen für Sicherheit sorgen, sondern Hersteller/Entwickler müssen allgemein anerkannten Sicherheitsstandards und Gewährleistungskriterien entsprechen.

Unter Rückgriff auf den DsiN-Sicherheitsindex 2018 formulierte Joachim Schulte (Deutschland sicher im Netz; DsiN) drei zentrale Handlungsempfehlungen, um digitale Souveränität in der Fläche und – gerade mit Blich auf die Vielfalt des Alters – über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg zu stärken: (1) Gebraucht werden mehr Didaktiker und Pädagogen, die das Internet und seine selbstbestimmte Nutzung erklären. (2) Digitale Angebote bereichern den Alltag älterer Menschen schon heute; sie erfordern eine zielgerichtete, professionelle Ansprache – gerade in ländlichen Regionen. (3) Der digitale Aufklärungsbedarf für Ältere wird zunehmen. Denn neue Dienste müssen vermittelt, neuen Risiken begegnet werden.

Die Diskussion moderierte Dr. Michael Littger (DsiN). Hier wurde ausdrücklich betont, digitale Souveränität impliziere für Begleitung und Unterstützung, dass es hierbei keinesfalls um Bevormundung gehen dürfe: Die Nutzerinnen und Nutzer müssen letztlich selbst bestimmen können, welche Chancen sie ergreifen möchten (oder nicht) und welche Risiken sie in Kauf nehmen (oder nicht).

Aus dem Kreis der Teilnehmenden wurde ferner darauf hingewiesen, in Deutschland fehle es an einer „Internetkultur“, wie sie in anderen Ländern vorzufinden sei, in denen technischen Neuerungen sehr viel offener ausprobiert und ihrem Nutzen entsprechend angenommen würden. Hierzulande herrsche hingegen zunächst Misstrauen gegenüber „Digitale Medien“, die Rezeption werde zuvorderst von Bedenken geprägt.

Die Ergebnisse der Workshops lassen sich in folgenden fünf Positionen zusammenfassen:

  1. Die Gewährleistung von digitaler Souveränität sollte als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und damit als Pflichtaufgabe der Kommunen verankert und – beispielsweise im Sozialgesetzbuch II – rechtlich flankiert werden, um einen Anspruch auf Zugänge und die notwendige Infrastruktur zu verbriefen.

  2. Digitale Souveränität setzt Sicherheit voraus. Diesbezüglich sind auch insbesondere Anbieter und Hersteller in der Pflicht.

  3. Das Alter gibt es nicht, Alter ist so vielfältig wie die gesamte Gesellschaft. Aus der Heterogenität folgt das Erfordernis, unterschiedlichste Gruppen mit Blick auf ihre Interessen und Bedürfnisse gezielt anzusprechen, um ihnen Zugang zu und die Nutzung von digitaler Technik zu ermöglichen.

  4. Digitale Souveränität erfordert qualifizierte Begleitung und Beratung. Hier geht es vor allem um die Schaffung von Zugängen zu digitaler Technik, um das Wissen der sich damit eröffnenden Chancen und Risiken sowie um die Befähigung, sie souverän zu nutzen.

  5. Digitale Souveränität erfordert vorausschauende Technikfolgenabschätzung.